• Dotzlar (BLB)

  • Länge: 19.6 km

  • Höhenmeter: 585 m

  • Dauer: 5 – 6 h

  • Natur  | Ausblicke  | Kultur/Historie  | Botanik

  • Parken: 57319 Bad Berleburg-Dotzlar | Wanderparkplatz Dotzlar Ortsmitte (Laubrother Straße)

  • Startpunkt: Wanderparkplatz Dotzlar

  • Einkehrmöglichkeiten: –

  • Wegbegleiter: –

  • Erwandert: Juli 2021

Dotzlar und der Wacholder

„Willkommen bei den Wacholderköpfen!“ – so lautet der hochdeutsche Name des knapp 20 km langen Premiumrundwanderwegs Bei de Hullerkeppe. Dabei beschäftigt sich der Weg nicht nur mit der Historie der Ortschaft Dotzlar, sondern auch mit der Mundart und den urwüchsigen Wacholderheiden, die sich rund um den Ort verteilen.

Der Premiumrundwanderweg Bei de Hullerkeppe startet am Wanderparkplatz Dotzlar in der Laubrother Straße und führt mich zunächst den Hang des Burgbergs hinauf aus dem Ort hinaus. Anschließend geht es aber wieder zurück nach Dotzlar zur ehemaligen Gastwirtschaft Hartmann in der Ortsmitte. Dort befanden sich damals die sog. Hebestelle und der Schlagbaum, an dem Wegegeld bezahlt werden musste.

Ich passiere die im 13. Jh. erbaute Kapelle und erreiche am Ortsausgang die Waldrast Dotzlar. Hier findet man relativ kühle Getränke in einem Rohr direkt in der Erde. Dazu öffnet man einfach den Deckel des Rohres und zieht den Getränkehalter mit PET-Flaschen (Wasser & Apfelsaftschorle) nach oben. Dort kann man sich entweder kostenlos bedienen oder ein kleines Trinkgeld hinterlassen.

Zusammen mit dem Premiumrundwanderweg Via Celtica geht es nun einen steilen Hohlweg hinauf zum 300 m entfernten Zollbaum. Die Eiche kennzeichnet die alte Grenze zum fürstlichen Besitz und ist ein Wahrzeichen Dotzlars. Bevor es dann in den Wald geht, kann man zudem einen ersten schönen Blick über den Ort Dotzlar und die Umgebung genießen.

Über einen Wurzelpfad geht es nun weiter den Burgberg (551 m) hinauf, wo einst eine Wallburg stand. Die Steinwälle, die die Bergspitze umschließen sind heute allerdings kaum noch auszumachen und es ist immer noch unklar, welche Funktion diese Ringwallanlage hatte.

Anschließend steige ich durch die Wälder zur Pfaffenhecke hinab. Von der ehemaligen Mühle und deren Bedeutung für Dotzlar zeugt heute allerdings nur noch eine Informationstafel.

Ich wandere nun durch das idyllische Edertal. Nach ca. einem Kilometer geht es dann aber an einigen Schieferfelsen vorbei auch schon wieder aus dem Tal hinaus und steil den Hang hinauf. Anschließend führt mich ein breiterer Weg hangparallel zu einer imposanten Quarzit-Felsformation mit senkrechten Klippen und ausgedehnten Felsgeröllhalden. Auf einem verschlungenen Pfad geht es dort steil zum Grundbach hinab. Hier endet die sog. Burgrunde und die beiden Wanderwege Bei de Hullerkeppe und Via Celtica trennen sich wieder.

Ich überquere nun den kleinen Bach und setze meine Wanderung auf der sog. Eisensteinrunde fort. Dabei passiere ich auch ein Asphaltwerk. Auf diesem Gelände gab es früher Schiefergruben und Spalthäuser, in denen der Schiefer weiterverarbeitet wurde. Eine mächtige Schieferhalde zeugt heute noch von dieser Vergangenheit. Nachdem ich die Landesstraße L553 gequert habe, bringt mir auch nochmal die Informationstafel Schieferbergbau in Dotzlar das Thema etwas näher.

Dann beginnt der Anstieg zum Hillerberg (560 m). Ich folge einem Pfad und erreiche mit der Wacholderheide am Hillerberg die erste von insgesamt drei Wacholderheiden. Früher weideten hier Rinder, Ziegen und Schafe. Über einen wirklich schönen Pfad geht es an Heidekräutern und Moosformationen vorbei weiter den Berg hinauf. Am abgezäunten Gelände des Schieferbergwerks Raumland entlang wandere ich dann über die Höhe zum Eisenstein (581 m). Hier öffnet sich ein weiter Blick über das Schieferbergwerk auf Raumland und Bad Berleburg.

Anschließend umrunde ich den Mittelkopf (601 m) und genieße dabei die weiten Blicke über das Rothaargebirge sowie auf den Ort Hemschlar. Danach geht es für kurze Zeit ins Pferdsbachtal hinein. Dann biegt der Rundwanderweg Bei de Hullerkeppe jedoch wieder rechts auf einen schmalen Pfad ab und führt mich durch ein Seitental bergauf in Richtung Feuerloh (594 m). Dort treffe ich auf die Wacholderheide Breite Eiche mit einer Informationstafel zum Thema Gemeiner Wacholder.

Nachdem ich den höchsten Punkt der Tour (583 m) erreicht habe, geht es über schmale Pfade durch das Unterholz wieder talwärts zurück in Richtung Dotzlar. Dann wandere ich mit Blick auf den Burgberg und Dotzlar über die offene Flur bis zu einem Rastplatz. Hier wendet sich der Premiumrundwanderweg aber wieder vom Ort ab und führt mich weiter bergab ins Tal Nasse Hecke. Der Name deutet dabei auf eine ehemalige Grenzbefestigung hin.

Nachdem ich die Landesstraße L718 gequert habe, geht es auch wieder über den Grundbach. Hier endet dann die Eisensteinrunde und ich setze meine Wanderung auf der sog. Kellerrunde fort. Ich wandere wieder leicht bergauf durch Schwarzegrubenbachtal, bis ich erneut auf den Premiumrundwanderweg Via Celtica treffe.

Nach einem leichten Anstieg erreiche ich schließlich die Wacholderheide Großer Keller mit einer Informationstafel zum Thema Heiden. Ein Pfad führt mich dann an der Wacholderheide vorbei weiter bergauf zum Schwarzegrube (558 m). Auf der Höhe hat man bedingt durch den Borkenkäfer mittlerweile einen tollen Ausblick den Burgberg, Dotzlar und das Edertal. Zudem befindet sich hier ein uralter Grenzstein, der die historische Grenze der beiden Wittgensteiner Grafschaften markiert.

Ich folge dem Weg anschließend leicht bergab und gelange zum Gedenkstein, der an einen Mord im Jahr 1891 erinnert, als der fürstliche Förster Friedrich Kroh von einem Wilddieb erschossen wurde.

Danach wandere ich hangparallel am Schwarzegrube entlang, wo sich erneut der weite Blick auf Dotzlar, den Burgberg und das Südwittgensteiner Bergland öffnet. Wenig später bekommt man auch noch einen tollen Blick aufs Edertal mit Arfeld und Schwarzenau sowie das umliegende Hinterländer Ederbergland.

Der Weg führt dann entlang des Waldes zur Quelle des Meisbachs, wo ich auch auf den dritten Premiumrundwanderweg Via Adrina treffe. Anschließend folge ich dem Bachtal bergab, bis ich erneut die L553 quere. Danach geht es weiter über einen Pfad in die breite Talaue der Eder hinab, bevor ich über eine Blumenwiese leicht ansteigend schließlich wieder meinen Ausgangspunkt am Wanderparklatz an der Laubrother Straße in Dotzlar erreiche.

Fazit

Bei de Hullerkeppe ist relativ vielfältig und zeigt sehr schön die verschiedenen sehenswerten Orte rund um Dotzlar: das idyllische Edertal, urige Wacholderheiden, imposante Felsformationen und historisch interessante Punkte, die mittels Informationstafeln erläutert werden. Im Verlauf der Tour hat man dabei auch immer wieder schöne Aussichten auf den Ort, das Tal der oberen Eder und die umgebende Mittelgebirgslandschaft. Bei de Hullerkeppe kann außerdem durch einen hohen Pfadanteil punkten. Eine tolle Idee sind zudem die vorbereiteten Waldrast-Stellen mit im Boden eingelassenen Getränken.

Aufgrund der Länge und einigen Höhenmetern sollte man für diese Tour allerdings eine gewisse Kondition mitbringen.

Tipps

Der Premiumrundwanderweg Bei de Hullerkeppe kann in drei Etappen erwandert werden:

  • Burgrunde (7,2 km)
  • Eisensteinrunde (11,6 km)
  • Kellerrunde (6,7 km)

Weitere Premiumrundwanderwege, die sich mit diesem Weg teilweise überschneiden:

  • Bewertung

  • Schwierigkeit: schwer

  • Wege:
    + hoher Pfadanteil
    – hoher Anteil leicht befestigter Wege

  • Highlights: Wallburg | Eisenstein | NSG Großer Keller

  • Höhenangst: einige Pfade im Steilhang (ohne Weitsicht)

  • Hund: ja

  • Beste Jahreszeit: ganzjährig | nicht bei Schnee und Eis

Wissenswertes

Der Naturraum Südwittgensteiner Bergland bzw. Wittgensteiner Lahnbergland liegt fast komplett auf der Laaspher Gemarkung und entwässert, abgesehen vom Nordosten und kleinen Randgebieten, vollständig zur Lahn. Der Naturraum erreicht eine maximale Höhe von 680 m ü. NN, während sich das Bergland im äußersten Süden deutlich zum Dilltal hin abflacht.

Der Naturraum ist zu 70 % mit Wald bedeckt, wobei unter anderem die ausgedehnten Buchenwälder prägend für die Landschaft sind. Nur im Westen des Südwittgensteiner Berglandes ist die Bewaldung an drei Hochmulden unterbrochen.

Schlagbäume kamen mit dem Bau von befestigten Straßen ab ca. 1860 auf. Da der Straßenbau sehr kostspielig war, musste jedes Fuhrwerk Wegegeld zahlen. Die Einnahmen wurden dementsprechend für die Unterhaltung der Straßen verwendet. So wurde für eine halbe oder ganze Meile das sogenannte „Chausseegeld“ an einer Hebestelle erhoben. Dieses Geld musste für das Führen von Nutztieren sowie Fuhrwerke bezahlt werden. Der Fürst und Angehörige des fürstlichen Hauses waren hiervon befreit. Ärzte hingegen bezahlten einen Jahresbetrag, damit sie bei Notfällen nicht unnötig aufgehalten wurden.

Die entsprechende Hebestelle mit Schlagbaum befand sich zumeist beim Wirtshaus, weil dort immer jemand anwesend war. Außerdem konnte man die Tiere dort mit Wasser versorgen oder auch selbst einkehren.

Der Schlagbaum wurde durch ein Fenster bedient. Am Baum befand sich eine Kette, die mittels einer Umlenkrolle durch den Auflagepfosten am Haus befestigt war. Durch das Gegengewicht auf der anderen Seite stand diese Kette unter Spannung. Wenn die Kette gelöst wurde, ging der Schlagbaum hoch und es konnte passiert werden.

Hebestellen wurden schließlich Anfang des Jahres 1919 abgeschafft.

Die Wallburg Dotzlar liegt auf der isolierten Kuppe Burg (551 m) und besteht aus 2 Wall- bzw. Terrassenringen, dessen Reste nur noch schwer auszumachen sind. Die Dotzlarer Bürger nutzten die Burg als Steinbruch und verbauten geeignete Stein der Ringwallanlange in den Fundamenten ihrer Häuser. Wer die Erbauer der Wallburg Dotzlar waren, lässt sich allerdings nicht sagen.

Die Nutzung der Ringwallanlage ist ebenso unklar. Denkbar wäre angesichts vergleichbarer Anlagen mit besserem Forschungsstand eine Nutzung als Kultplatz oder Heiligtum. Auch die in der Bevölkerung noch weit verbreitete Deutung als Fliehburg ist möglich.

Die Pfaffenhecke ist ein besonderer Ort in der Geschichte Dotzlars. Es war nämlich über Jahrhunderte gewissermaßen das „Industriegebiet“ des Ortes. Hier wurde schon lange vor der Industriellen Revolution eine Mühle mit Eisenhammer mittels Wasserkraft betrieben. So wurde in der Pfaffenhecke zunächst Roheisen geschmiedet und Draht gezogen. Im 19. Jh. wurde die Eisenverarbeitung zwar eingestellt, aber mit einigem technischen und logistischen Aufwand wurde eine Pulvermühle zur Herstellung von Schwarzpulver errichtet. Aufgrund der Explosionsgefahr wurden 3 – 4 m hohe Schutzwälle zwischen den Gebäuden errichtet, die noch jahrzehntelang zu sehen gewesen waren. Die Pulverherstellung wurde schließlich 1867 eingestellt und das Inventar verkauft. 1880 wurden die restlichen Gebäude der Pfaffenhecke abgerissen und das Inventar samt Baumaterial verkauft. Nach der teilweisen Aufforstung der Äcker, dem Planieren der Schutzwälle und dem Auffüllen des Mühlbaches ist heute vom Dotzlarer „Industriegebiet und Ortsteil Pfaffenhecke nichts mehr zu sehen.

Die Eder ist mit 176,1 km Fließstrecke der längste und größte Zufluss der Fulda. Der Fluss entspringt im Rothaargebirge am Ederkopf  bei Netphen auf einer Höhe von rund 621 m und mündet bei Grifte (Nordhessen) auf etwa 143 m Höhe in die Fulda. In ihrem Mittellauf fließt die Eder in das westliche Ende des bei höchstem Wasserstand 28,5 km langen Edersee ein.

Bemerkenswert ist, dass die Eder bis zu ihrer Mündung 750 m Fließstrecke mehr zurückgelegt hat als die Fulda, die bis dorthin 175,35 km lang ist, beim Zusammenfluss ihre Fließrichtung nicht ändert und die größere durchschnittliche Wasserführung hat.