• Eibach (DIL)

  • Länge: 11.7 km

  • Höhenmeter: 350 m

  • Dauer: 3 – 3,5 h

  • Natur  | Ausblicke  | Kultur/Historie 

  • Parken: 35689 Dillenburg-Eibach | Gasthof Kanzelstein (Fasanenweg 2)

  • Startpunkt: Gasthof Kanzelstein

  • Einkehrmöglichkeiten: Gasthof Kanzelstein

  • Wegbegleiter: Milow

  • Erwandert: Mai 2018

Panoramablicke im Schelderwald

Die Extratour Kuckucksweg führt im Naturraum Schelderwald rund um den Dillenburger Stadtteil Eibach. Der Name der Tour geht dabei auf den mittelalterlichen Namen Eibacher Kuckuck zurück. Hierbei handelt es sich vermutlich um ein Überbleibsel aus einem Streit um Landbesitz. Die Eibacher sollen nämlich Gemarkungen erhalten haben, die ihnen angeblich nicht zustanden.

Die Extratour Kuckucksweg führt uns zunächst vom Gasthof Kanzelstein durch die Straße Krummacker aus Eibach heraus. Am Neulsberg vorbei geht es nun stetig ansteigend in Richtung Kanzelstein (427 m) hinauf, den wir nach ca. 2,2 km erreichen. Der frühere Gemeindewald am Kanzelstein wurde historisch als Allmendeweide bewirtschaftet. Im heutigen Naturschutzgebiet Kanzelstein kann man immer noch die Spuren der ehemaligen Bewirtschaftung als Allmendeweide sehen. Zudem hat man einen ersten tollen Fernblick in Richtung auf den Dillwesterwald und auf Burg Greifenstein.

Nachdem wir am Naturschutzgebiet vorbeigegangen sind, steuern wir den nahen Holzhäuser Hof mit seinen Schneitelbäumen an. Von hier geht es weiter in Richtung Nanzenbach und zum höchsten Punkt der Extratour (463 m). Wenig später biegen wir rechts auf einen Pfad ab und gelangen zur stillgelegten Grube Beschertes Glück,  wo uns lediglich eine Infotafel auf den alten Tagebau hinweist.

Anschließend queren wir das kleine Tal des Eibachs und steigen in Richtung Oberellenbach (495 m) hinauf. Hier knickt der Weg nach Süden ab und wir wandern westlich am Homberg vorbei durch den Eibacher Wald zur Eibacher Grillhütte. Wir umrunden den Volperteichen (380 m) oberhalb des Scheldetals und erreichen eine Art Hochplateau mit Blick auf Eibach. An blühenden Wiesen vorbei führt uns der Kuckucksweg einem Rastplatz mit schönem Ausblick auf den nördlichen Schelderwald. Es geht weiter leicht ansteigend in Richtung Eibach und wir genießen immer wieder die tollen Blicke auf die Kuppen des Schelderwaldes. Dabei kann man auch den großen Diabassteinbruch am Rinkenbach bei Oberscheld bewundern.

An der Nordseite des Zimbergs (434 m) vorbei geht es nun bergab und wir erreichen wir den Eiberg (396 m), den Milow und ich umrunden müssen, um nach Eibach und zum gleichnamigen Bach hinab zu gelangen. Wir queren die Hauptstraße (K 38) sowie den Eibach und wandern neben der Straße bis zum Eibacher Gradierwerk mit seiner Heilquelle. Von hier aus geht es schließlich durch die Straßen Grüns Weg und Im Born zurück zu unserem Ausgangspunkt am Gasthof Kanzelstein.

Fazit

Die Extratour Kuckucksweg ist vor allem durch die immer wieder neuen Ausblicke in das Lahn-Dill-Bergland geprägt. Die häufigen Wechsel zwischen Wäldern, Feldflur und kleinen Wiesentälern machen diesen Weg zudem sehr abwechslungsreich. Jedoch verläuft der Kuckucksweg auf fast der Hälfte seiner Strecke auf leicht befestigten Wirtschaftswegen. Obwohl die Gegend vor allem durch die Suche nach Eisenerz geprägt ist und teilweise sichtbare Vertiefungen am Wegesrand hinterlassen hat, wird man darüber nur an einer Stelle im Wald informiert. Zudem wird man an einigen regionalen Besonderheiten (ohne Informationen) lediglich vorbeigeführt. Dadurch verliert die Extratour Kuckucksweg viel von ihrem Charme und wird nur auf die schönen Ausblicke reduziert.

  • Bewertung

  • Schwierigkeit: mittel

  • Wege: – hoher Anteil leicht befestigter Wege

  • Highlights: –

  • Höhenangst: –

  • Hund: ja

  • Beste Jahreszeit: ganzjährig – außer bei Schnee und Eis

Wissenswertes

Der Schelderwald ist ein durchgehend bewaldeter westlicher Ausläufer des Gladenbacher Berglandes und wird durch die Einzugsgebiete der Flüsse Nanzenbach, Schelde, Monzenbach, Essenbach sowie Weibach definiert. Dabei entwässern alle im Schelderwald entspringenden Flüsse über die Dill in die Lahn.

Der Schelderwald war schon zur Keltenzeit besiedelt und ein Gebiet historischer Wege. So querten ihn die hochmittelalterliche Brabanter Straße von Antwerpen nach Leipzig und die Herborner Hohe Straße von der Dill ins Obere Lahntal. Er hatte seit der La-Tène-Zeit (5. bis 1. Jh. v. Chr.) bis in die 1970er Jahre innerhalb des Lahn-Dill-Gebiets zudem eine besondere wirtschaftliche Bedeutung als Abbaugebiet für Eisenerz. Deshalb kam es im 13. und 14. Jh. zur Dernbacher Fehde mit heftigen Auseinandersetzungen.

Der Kanzelstein ist eine 420 m hohe Erhebung im Schelderwald und ein Relikt früherer Landwirtschaftsnutzung. Das Naturschutzgebiet wurde historisch als Allmendeweide bewirtschaftet. Die Eibacher Bevölkerung nutzte die flachen und felsigen Standorte am Kanzelstein gemeinsam und trieb ihre Schafe, Ziegen und Rinder dorthin. Durch Beweidung bis Mitte des 20. Jh. breiteten sich magere Pflanzengesellschaften, wie artenreiche Glatthaferwiesen, Borstgras- und Magerrasen mit Wacholderbeständen, aus. Auch alte Hutebuchen und Huteeichen, die dem Weidevieh im Sommer Schatten spendeten und im Herbst sowie Winter nahrhaftes Mastfutter lieferten, zeigen die ehemalige Weidenutzung an.

Die Schneitelbäume auf dem Kanzelstein sind eine lokale Besonderheit. Diese Bäume haben einen dicken Stamm mit vielen kleinen, dünnen Ästen am dicken Kopf. Diese Wuchsform hängt mit dem häufigen Schneiden der Äste zusammen, denn an den Schnittstellen bilden sich immer wieder neue Triebe. Zum einen wurden die Asttriebe der niedrigen, jungen Baumkronen zur Viehfütterung im Winter abgeschnitten (Kopf-Schneitelung) und zum anderen schnitt man die Äste vom Stamm zur Brennholzgewinnung ab (Ast-Schneitelung).

Für eine solche Nutzungsform dienten Hainbuchen, Weiden, Eschen und Linden.

In und um Eibach wurde in insgesamt bis zu 30 Gruben nach Eisenerz gesucht. Dabei erreichte die Fördermenge der Eibacher Gruben um 1872 53 % der Gesamteisensteinförderung des Dillkreises.

Im Tagebau der Grube „Beschertes Glück“ wurde 1846 – 1872 Eisenerz und Schwefelkies abgebaut. In den 1880er Jahren wurde die Förderung im Zuge einer Felderweiterung für kurze Zeit wieder aufgenommen.