• Obergladbach | Niedergladbach (SWA)

  • Länge: 18.9 km

  • Höhenmeter: 477 m

  • Dauer: 4 – 5 h

  • Natur  | Ausblicke  | Kultur/Historie 

  • Parken: 65388 Schlangenbad-Obergladbach | Parkplatz Kellerweg (L3035 zwischen Nieder- und Obergladbach)

  • Startpunkt: Parkplatz Kellerweg

  • Einkehrmöglichkeiten: Gasthaus Zum Gladbachtal

  • Wegbegleiter: Milow

  • Erwandert: November 2019

Auf und Ab im Gladbachtal

Im Schlangenbader Ortsteil Niedergladbach feiert man jedes Jahr im Mai den Gladbacher Almauftrieb als buntes Volksfest mit regionalen Erzeugern. Dabei ziehen die Schafe, Ziegen und Galloway-Rinder durch den Ort die Hänge des Gladbachtals hinauf zu den saftigen Weiden auf den Hochflächen. Der Wisper-Trail Glaabacher Almauftrieb tut es dieser Tradition gleich und steigt insgesamt drei Mal aus dem engen Gladbachtal hinauf auf die offenen Wiesen und Weiden des Hinterlandswaldes. Mit insgesamt 18,9 km ist er der längste Weg unter den Wisper Trails und verspricht viele schöne Ausblicke nach knackigen Aufstiegen.

Wir starten den Glaabacher Almauftrieb auf dem Wanderparkplatz Kellerweg an der L 3035 zwischen Ober- und Niedergladbach und steigen zunächst durch ein kleines Seitental aus dem Gladbachtal hinauf in Richtung Roterberg (460 m). Dort geht es dann über die Höhe am Aussichtspunkt Sonnebänkchje vorbei zum Parkplatz Roter Kopf. Über den Rabenkopf (466 m) geht es dann in einer langen Schleife wieder ins enge Gladbachtal hinab. Diesem folgen wir nun für 1,2 km, bis wir wieder auf die L 3035 kurz vor Obergladbach treffen. Der Ort ist im 13. Jh. als Siedlung von Waldarbeitern und Köhlern aus Thüringen gegründet worden, die zur wirtschaftlichen Nutzung des Rheingauer Hinterlandswaldes hier angesiedelt wurden.

Bevor wir in den Ort gelangen, steigt der Weg allerdings noch einmal steil am Hang entlang an. Nachdem wir wieder ins Tal hinab gewandert sind, queren wir die Landstraße sowie den Gladbach und wandern durch die Talstraße am Bach entlang talaufwärts. Anschließend steigt der Glaabacher Almauftrieb durch ein Seitental für ca. 1,7 km langsam aber stetig an und wir gelangen in den Hinterlandswald. Wir passieren das landschaftlich schöne Naturschutzgebiet Gladbachtal bei Obergladbach und erreichen nach insgesamt 9 km das Naturdenkmal Gebückbäume.

Wir wandern nun wieder auf der Höhe an Obergladbach vorbei in Richtung Niedergladbach. Dabei passieren auch den historischen Grenzstein, der im 16. Jh. die Grenze zwischen Kloster Eberbach und Hof Mappen signalisierte. Es folgen einige schöne Panoramaaussichten über den Hinterlandswald und den Wispertaunus. Nach 11,8 km hat man dann am Rastplatz Auf dem Holzweg die Möglichkeit, den Glaabacher Almauftrieb abzukürzen und über einen Zuweg wieder zum Parkplatz Kellerweg zu gelangen.

Wir wandern weiter über die Höhe und genießen die vielen Aussichten über die Landschaft. Am Gaulskopf (453 m) vorbei und über den Schimmlerkopf geht es schließlich wieder hinab ins Gladbachtal. Vom Aussichtspunkt Halkippel hat man dann einen tollen Blick auf Niedergladbach, dessen Ortsbild von der katholischen Pfarrkirche St. Ägidius geprägt wird. Nachdem die ursprüngliche Niedergladbacher Kirche 1635 von französischen Truppen zerstört worden war, baute die Pfarrgemeinde fast hundert Jahre lang (1725 – 1820) aus eigener Kraft an der neuen Kirche.

Von Niedergladbach aus führt uns der Wisper-Trail ein letztes Mal steil den Hang hinauf. Dann wandern wir zwischen Oberem Anselsberg (425 m) und Langem Stein (435 m) durch ein stilles Waldgebiet, bevor es wieder steil hinab zu unserem Ausgangspunkt im Gladbachtal zurückgeht.

Fazit

Der Glaabacher Almauftrieb ist geprägt von einem stetigen Wechsel zwischen tiefen Wäldern und engen Tälern sowie offenen Wiesen und Weiden. Immer wieder gibt es von Höhen schöne Aussichten in den Wispertaunus. Leider ist die kulturhistorische Bedeutung der Region und deren „Höhepunkte“ beim Erwandern nicht zu erkennen. Informationstafeln wären hier von großem Vorteil. Aufgrund der Länge und den knackigen Steigungen sollte man zudem auf jeden Fall etwas Kondition mitbringen.

  • Bewertung

  • Schwierigkeit: mittel

  • Wege: + hoher Naturweganteil

  • Highlights: –

  • Höhenangst: –

  • Hund: ja

  • Beste Jahreszeit: ganzjährig – außer bei Schnee und Eis

Wissenswertes

Der Wispertaunus wird durch das namensgebende Talsystem der Wisper bestimmt. Er hat den Landschaftstyp einer reinen Waldlandschaft, die tief zertalt ist und nur auf wenigen Bergrücken Raum für kleine Dörfer bietet. Die Zahl der Talsiedlungen ist wesentlich geringer. Der enge Talgrund der Wisper selbst bietet nur Raum für eine einzige kleine Ortschaft (Geroldstein).

Als Hinterlandswald werden die Waldgebiete bezeichnet, die außerhalb des Rheingauer Gebücks lagen und als Landallmende genutzt wurden. Der Hinterlandswald war somit nicht auf die Rheingauer Gemeinden aufgeteilt, sondern das Nutzungsrecht stand ihnen nur gemeinsam zu.

Aufgrund der Abgeschiedenheit und des unwegsamen Geländes wurde der Hinterlandswald hauptsächlich für Köhlerei und Waldweide genutzt. Raubbau setzten dem  Waldgebiet doch bis Anfang des 19. Jh. stark zu. Erst nach dem Übergang des Rheingaus an das Herzogtum Nassau wurde der Hinterlandswald auf die einzelnen Gemeinden aufgeteilt. Damit verbunden war auch der Wiederaufbau des Waldes, der im 20. Jh. schließlich zu ertragreichen und gut gepflegten Beständen führte.

Das Rheingauer Gebück war eine aus „gebückten“ Buchen bestehende Grenzbefestigung (sog. Landwehr), die den Rheingau 600 Jahre lang bis zum Ende des 18. Jh. umschloss.

Das Gebück bestand dabei aus einem 50 – 60 m breiten Waldstreifen aus Buchen, Eichen und vor allem Hainbuchen. Die Bäume wurden dann auf unterschiedlicher Höhe über dem Boden abgeschlagen, die neu ausgeschlagenen Zweige kreuz und quer zur Erde „gebückt“ und schließlich untereinander verflochten. Brombeer- und Schwarzdornsträucher pflanzten sich anschließend von selbst dazwischen. So wurde das bis zu 100 m breite Gestrüpp zunehmend undurchlässiger. Nur vereinzelte Tore ermöglichten einen Durchgang.

Erst 1771 wurde das Gebück aufgegeben und weitgehend gerodet. So sind heute nur noch vereinzelte, entsprechend alte Buchen erhalten.