• Breitscheid | Erdbach | Langenaubach (DIL)

  • Länge: 14,3 km

  • Höhenmeter: 350 m

  • Dauer: 3 – 3,5 h

  • Natur | Geologie

  • Parken: Wanderparkplatz Wildweiberhäuschen (K 41)

  • Startpunkt: Wanderparkplatz Wildweiberhäuschen

  • Einkehrmöglichkeiten: –

  • Wegbegleiter: Milow

  • Erwandert: Juli 2019

Rothaarsteig und Kalkstein im Westerwald

Die Breitscheider Höhlentour ist ein Rundwanderweg des Rothaarsteigs im hessischen Westerwald, die zunächst von der Westerwälder Basalthochfläche ins Karstgebiet zwischen Breitscheid und Erdbach und anschließend ins Aubachtal führt.

Aber warum verläuft der Rothaarsteig eigentlich durch den Westerwald? Der Rothaarsteig ist ein insgesamt 157 km langer Fernwanderweg, der auf dem Hauptgebirgskamm des Rothaargebirges von Brion in Nordrhein-Westfalen nach Dillenburg in Hessen verläuft. Der Steig wird zudem durch die 13,7 km lange Hochsauerlandvariante und die 52,5 km lange Westerwaldvariante ergänzt. Diese vom Rothaarsteighauptweg abzweigende Wegvariante führt dabei aus dem Gebiet der Kalteiche (579 m ü. NN) zunächst nach Südwesten in den Hohen Westerwald und zur Fuchskaute (657 m ü. NN). Anschließend führt sie dann wieder nordostwärts nach Dillenburg.

Die Breitscheider Höhlentour führt uns zunächst vom Wanderparkplatz Wildweiberhäuschen über eine geschotterte Allee, die mit den jeweiligen Bäumen des Jahres aus den letzten 20 Jahren geschmückt ist, für 1,1 km in Richtung Breitscheid. Nach der ersten kleinen Pfadpassage treffen wir schließlich auf den äußerst informativen Karst- und Höhlenlehrpfad, der uns nun für eine längere Zeit begleiten wird.

Die Höhlentour verläuft nun über freies Feld und mit Blick auf Breitscheid bis zum Eingang der Tropfsteinhöhle Herbstlabyrinth. Anschließend queren wir die K 68 und steigen hinab in die urige Gasseschlucht. Am Ende der Schlucht treffen wir dann auch auf den Westerwaldsteig (Etappe 1: Herborn-Breitscheid). Wir passieren den Benderstollen und erreichen das Erdbacher Schützenhaus mit der Erdbachquelle. Hier der tritt der kleine Erdbach wieder zutage, der ca. 1.500 m Luftlinie entfernt in Breitscheid in einer sog. Bachschwinde im Kalkstein versickert ist.

Am Hombergsteinbruch beginnt dann wieder der Aufstieg zurück nach Breitscheid. Vorbei an einem alten Steinbruchgrund geht es zur Großen und Kleinen Steinkammer, die uns einen interessanten Blick in den geologisch vielfältigen Untergrund des Gebietes geben. Wenig später erreichen wir dann einen Aussichtspunkt, von dem wir auf Erdbach und das Kulmbergbergland blicken können.

Schließlich gelangen wir wieder an das obere Ende der Gasseschlucht und wandern über das offene Feld nach Breitschreid. Am Ortsrand können wir dann am Kleingrubenloch noch einen Blick in die besagte Erdbachschwinde werfen.

Hier verlassen wir nun den Karst- und Höhlenlehrpfad und durchqueren Breitscheid. Wir passieren das Töpfermuseum Breitscheid sowie die Evangelische Pfarrkirche und erreichen am Friedhof den westlichen Ortsrand von Breitscheid, wo auch die 2. Etappe des Westerwaldsteigs (Breitscheid – Fuchskaute) beginnt.

Anschließend wandern wir an einer etwa 230 Jahre alten Hutebuche vorbei und erreichen den höchsten Punkt der Breitscheider Höhlentour (554 m). Hier verlässt uns nun auch der Westerwaldsteig und wir wandern weiter nach Westen in Richtung Rabenscheid.

Nach einigen hundert Metern kommen wir dann ins Aubachtal, wo wir schließlich auch auf die Westerwaldvariante des Rothaarsteigs treffen. Die Höhlentour verläuft jetzt für ca. 3,8 km durch das Aubachtal, das von Basaltblöcken, die während der letzten Eiszeit dorthin verfrachtet wurden, gesäumt ist. Besonders interessant ist der kleine Basaltsteinbruch Schönbuhl mit seinem höhlenartigen Zugang, der in das Innere eines ehemaligen Vulkanschlotes führt. Wir steigen kurz zum Rand des Steinbruchs auf und können dort gut die Lage sowie die Strukturen der Basaltsäulen erkennen. Am Ende des Aubachtals unterqueren wir schließlich die alte Brücke der ehemaligen Bahnstrecke Haiger-Breitscheid und passieren ein Wassertretbecken.

Am sagenumwobenen, markanten Kalksteinfelsen Wildweiberhäuschen verlassen wir dann das Aubachtal und wandern am Waldrand entlang hinauf zur Grillhütte Langenaubach, wo sich uns ein Blick auf das Aubachtal und Haiger bietet. Nach der Überquerung der K 41 erreichen wir dann schließlich wieder unseren Ausgangspunkt am Wanderparkplatz Wildweiberhäuschen.

Fazit

Auf der Breitscheider Höhlentour erlebt man eine geologische Besonderheit des Westerwaldes: Korallenriffe, Höhlen, Steinkammern, Trockenschluchten und Bachschwinden. Dabei verbindet die abwechslungsreiche Breitscheider Höhlentour die beiden Fernwanderwege Westerwaldsteig und Rothaarsteig mit dem äußerst informativen Karst- und Höhlenlehrpfad. Vor allem das Karstgebiet zwischen Breitscheid und Erdbach (der schönste Teil der gesamten Strecke) sowie das urige Aubachtal mit seinen Basaltformationen wissen zu gefallen. Leider führt dieser Prädikatswanderweg jedoch die meiste Zeit über breite und leicht befestigte Wege.

Tipps

Karst- und Höhlenlehrpfad – Wo Bäche verschwinden und geheimnisvolle Höhlen locken

https://geopark-wlt.de/karst-und-hoehlenlehrpfad-2

Schauhöhle Herbstlabyrinth Breitscheid – Im größten Höhlensystem Hessens auf Entdeckungstour gehen

https://schauhöhle-breitscheid.de/

  • Bewertung

  • Schwierigkeit: mittel

  • Wege: – hoher Anteil leicht befestigter Wege

  • Highlights:

  • Höhenangst: –

  • Hund: ja

  • Beste Jahreszeit: ganzjährig – außer bei Schnee und Eis

Wissenswertes

Die Westerwälder Basalthochfläche ist eine 500 bis 600 m hohe Weidelandschaft mit großen eingesprengten Basaltblöcken und niedrigem Baum- und Buschbewuchs.

Die Basalthochfläche ist die Kernfläche des Hohen Westerwaldes. Charakteristisch sind dabei weiche Formen und ein sanftes Relief. Die eigentliche Hochfläche wird zudem durch zahlreiche flach eingesenkte Talmulden gegliedert.

Während die Hochfläche früher als waldarm beschrieben wurde, weist sie heute einen Waldanteil von etwa 40 % auf. Dieser Waldzuwachs ist zu einem wesentlichen Teil auf die Aufforstung zurückzuführen. Da hierbei überwiegend Fichte aufgeforstet wurde, dominieren heute Nadelforsten in den Waldflächen des Landschaftsraums. Trotz dieser Entwicklung präsentiert sich die Landschaft immer noch sehr abwechslungsreich und mosaikartig, weil die Waldbestände mit wenigen Ausnahmen eher kleinflächig gestreut sind.

Der Dillwesterwald ist die östliche Abdachung des Westerwaldes gegen das Dilltal. Der stark gefaltete Grundgebirgssockel verschwindet im Westerwald unter der Basaltdecke des Hohen Westerwaldes. Der Naturraum ist weitgehend bewaldet und von den westlichen Nebenflüssen der Dill stark zerschnitten. Vom Hohen Westerwald herabfließende Gewässer haben dabei ein ausgedehntes Riedelsystem entstehen lassen.

Die sonnigen Flachhänge tragen teilweise eine Lösslehmdecke und sind daher für den Ackerbau gut geeignet. Die steilen Flanken und die Höhen hingegen sind bewaldet.

Das Herbstlabyrinth-Adventhöhle-System liegt im Karstgebiet zwischen Breitscheid und Erdbach und ist das größte Höhlensystem Hessens und eines der bedeutendsten Deutschlands. Die Gesamtganglänge der Höhle beträgt ca. 12.000 m und die Tiefe um die 90 m. Die Tropfsteinhöhle zeichnet sich dabei durch eine extrem saubere, weiße bis durchsichtige und unberührte Kalkablagerung aus. Insbesondere die Länge und Vielfalt der Kalkablagerungen sind einmalig in Deutschland. Die Höhle ist noch immer nicht vollständig erforscht. Ein kleiner Teil, die so genannte Knöpfchenhalle, wurde als Schauhöhle eröffnet.

Das Karstgebiet entstand dabei durch eine Korallenriffbildung infolge von unterseeischem Vulkanismus. Neben dem Herbstlabyrinth-Adventhöhle-System und einigen Dolinen gibt es in diesem Bereich noch 32 weitere Höhlen. So gilt die Erdbachhöhle mit knapp 101 m Tiefe als tiefste Höhle Hessens.

Die Gasseschlucht ist ein Trockental, das sich von der Breitscheider Hochfläche bis Erdbach zieht. Ihre Entstehung ist dabei auf den einst oberirdischen Abfluss des heute unterirdisch verlaufenden Erdbachs zurückzuführen.

Arbeiter des Steinbruchs sprengten 1928 einen Stollen in den Bergrücken, der zur Abfuhr des Kalksteins dienen sollte. Dabei trafen sie nach ca. 50 m auf einen natürlichen Hohlraum (Stollenhöhle). Diese Höhle erlangte vor allem durch die Funde von Knochen des ausgestorbenen Höhlenbären an Bedeutung.

Die Erdbachquelle ist eine sog. Karstquelle. An dieser Stelle tritt das Wasser, das zuvor in zahlreichen Bachschwinden (Ponoren) in Felsspalten rund um Breitscheid verschwand, wieder hervor.

Das aus den Wäldern und Wiesen der Basalt- und Tongebiete kommende Wasser versickert bei Erreichen des Kalksteins im Untergrund und tritt dann am Rande des Kalksteinmassivs an gleich mehreren Quellen wieder zu Tage.

So verschwindet der Erdbach am Kleingrubenloch in Breitscheid und tritt erst nach 14–34 Stunden Fließdauer in 1.200 m Entfernung wieder aus.

Die Steinkammern sind zwei Höhlen, bei denen eine Besiedlung seit der Jungsteinzeit (ca. 4400 – 3500 v. Chr.) nachgewiesen ist.

Ob die Große Steinkammer bewohnt war, gelegentlich als Zufluchtsstätte diente oder ob hier nur Opfergaben dargebracht wurden, lässt sich aufgrund der geringen Funde nicht sagen. In der Kleinen Steinkammer, die eigentlich die größere der beiden Höhlen ist, wurden jedoch bei archäologischen Funden auch menschliche Skelettreste sowie Eisen- und Bronzeschmuck gefunden.

Als Kleingrubenloch wird der Bereich der Erdbachschwinde bezeichnet. Der Erdbach wird oberhalb von Breitscheid aus mehreren Quellen gebildet, die zum großen Teil im Bereich von ehemaligen Braunkohlegruben liegen. In Breitbach verschwindet der Bach dann in mehreren Bachschwinden im Boden und fließt durch die beiden Höhlensysteme (Erdbachhöhlensystem und Herbstlabyrinth-Adventhöhle-System), bis er nach 1300 m Luftlinie in der Erdbachquelle wieder zu Tage tritt.

Der Aubach ist ein 15,7 km langer rechter Nebenfluss der Dill, der in der Nähe des Driedorfer Ortsteils Waldaubach unterhalb der Fuchskaute entspringt und in Haiger in die Dill mündet.

Die auch unter dem Namen Balkanexpress oder Aubachtalbahn bekannte Bahnstrecke  war 12,3 km lang, führte von Haiger nach Breitscheid und wurde 1926 bzw. 1939 eröffnet.

Die Gemeinden um das Dilltal sollten über Nebenbahnen an die wichtige Dillstrecke angeschlossen werden. So wurde 1908 der Bau einer Stichbahn von Haiger über Breitscheid nach Gusternhain angeordnet. Durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs kamen die Arbeiten jedoch nahezu zum Erliegen. Erst 1926 wurde der erste Bahnabschnitt bis zum Bahnhof Rabenscheid eingeweiht. Die Weiterführung der Strecke scheiterte zunächst am Geld und der fehlenden Rentabilität. Aus rüstungspolitischen Gründen und aufgrund der Erschließung der Bodenschätze wurde der Bahnbau Rabenscheid – Breitscheid nach der Machtübernahme Hitlers genehmigt. Die Arbeiten an der Verlängerung waren 1939 abgeschlossen. In Folge des Zweiten Weltkriegs war der Verkehr Anfang 1945 zum Erliegen gekommen. Die Teilstrecke bis Rabenscheid wurde bis zum Frühjahr 1946 wieder instand gesetzt.

Der Personenverkehr wurde 1980 eingestellt, wo hingegen der Güterverkehr noch weitere 17 Jahre erhalten blieb. Die Gleise wurden dann 2011 auf dem Haigerer Gebiet abgebaut.

Das Wildweiberhäuschen ist ein ca. 30 m hoher Fels, der aus dem Wald oberhalb von Langenaubach herausragt und über den es viele Sagen gibt.

In den Höhlen des Wildweiberhäuschens sollen vor langer Zeit die „Wilden Weiber“ gewohnt haben. Sie saßen oft vor dem Eingang und kämmten ihr langes goldenes Haar. Sie halfen allen guten und fleißigen Menschen, wo sie nur konnten. Die bösen und faulen Menschen wurden hingegen bestraft. Ein Bauer aus dem Dorf hatte ihnen ein Hemd aus der Wäsche gestohlen und so kamen sie um Mitternacht in sein Haus, rissen ihn an den Haaren aus dem Bett und schleiften ihn so lange durch die Stube, bis er ihnen das Hemd wiedergab. Die Gruben und Steinbrüche rund um die Höhlen brachten immer mehr Unruhe in die Wohnungen der „Wilden Weiber“ und gefährdeten sie. Dadurch zogen sich die Weiber immer tiefer in den Felsen zurück und verschwanden für immer.

Eine andere Sage erzählt von einem Schatz in einem alten Stollen am Wildweiberhäuschen. 1953 wurde in einer Höhle unterhalb des Felsens dann tatsächlich ein kleiner Silberschatz gefunden. Am Eingang eines in die Tiefe führenden Stollens fand man zunächst zwei kleine Silberplättchen. Insgesamt wurden 87 Münzen entdeckt. Die Münzen stammen dabei aus der Zeit zwischen 1156 und 1308. Die Mehrheit der Münzen sind sogenannte „Händelheller“, die in der Stadt Schwäbisch-Hall geprägt wurden. Der Schatz wurde wahrscheinlich um 1320 während der Dernbacher Fehde vergraben.